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Die Verfahrensbeistandschaft gemäß § 158 FamFG

Der Verfahrensbeistand ist der Interessenvertreter der Kinder und Jugendlichen in familienrechtlichen Verfahren. Grundlage dafür ist §158 FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit). Er hat die Interessen des Kindes / Jugendlichen festzustellen und im gerichtlichen Verfahren zur Geltung zu bringen. Er hat das Kind über Gegenstand, Ablauf und möglichen Ausgang zu informieren und an einer einvernehmlichen Lösung über den Verfahrensgegenstand mitzuwirken.

Information für Eltern

Die Aufgabe einer Verfahrensbeiständin besteht darin, die Interessen Ihres Kindes, oder Ihrer Kinder vor Gericht zu vertreten. Dazu muss ich die Interessen zuerst einmal kennen. In der Regel besuche ich die Kinder nach Erhalt der richterlichen Bestellung in ihrem aktuellen Zuhause. Dabei kommt es meistens auch zu einem ersten Gespräch mit dem betreuenden Elternteil. Je nach Alter des Kindes, finden mit diesem Einzelgespräche oder auch „nur“ Interaktionsbeobachtungen mit dem anwesenden Elternteil statt.   Bei manchen Kindern ist es einfach einen Zugang zu finden, dann sehe ich die Kinder in der Regel ein zweites Mal beim anderen, nicht betreuenden Elternteil, um auch dort erste Gespräche mit dem Elternteil zu führen und erneut Kontakt mit den Kindern zu haben. In manchen Fällen, bleibt es bei diesen zwei Kinder-Kontakten. Die Kinder sehen, oder hören mich dann, ein letztes Mal, nach der richterlichen Entscheidung, die ich mit ihnen, je nach Alter, bespreche. In anderen Fällen, sind mehr Kontakte erforderlich um einen Zugang zu den Kindern zu bekommen. Dies ist vor allem bei kleineren Kindern häufig der Fall.  Wenn es mir sinnvoll erscheint und die Eltern damit einverstanden sind, begleitet mich mein 11 Jahre alter Labradorrüde Cosmo.  Erfahrungsgemäß ist es für manche Kinder  einfacher über schwierige Themen zu sprechen, wenn er dabei ist.

Der Natur eines Konflikts entsprechend, gibt es mindestens zwei Sichtweisen Ihres aktuellen Elternkonfliktes. Beide sind wichtig für mich zu hören. Um mein Bild vom Konfliktgeschehen zu erweitern, ist es mir erlaubt, Gespräche mit weiteren Bezugspersonen der Kinder zu führen. Dies geschieht jedoch nicht ohne Ihre Einwilligung als Eltern. Oft sind dies Großeltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen oder andere Menschen, die die Kinder gut kennen.

Sollte das Familiengericht eine persönliche Anhörung des Kindes anordnen, ist es meine Aufgabe ihr Kind zu begleiten.

In einem weiteren Schritt, biete ich den Eltern Vermittlungsgespräche an. Als Mediatorin bin ich dafür ausgebildet. Diese  sollen die Eltern darin unterstützen, gemeinsam gute Lösungen für ihre Kinder zu finden. Manchmal brauchen Eltern auch Hilfe, um ihren Paarkonflikt von der Elternebene zu trennen und das Wohl der Kinder neu in den Mittelpunkt zu stellen. Das Ziel dieser Vermittlungsgespräche ist es, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, um diese dann in die Anhörung vor Gericht einzubringen. Eine selbst erzielte Einigung, basierend auf den Bedürfnissen der Eltern und den beteiligten Kindern, hat den Vorteil, dass diese oft auch der Befriedung des Konflikts dient und somit keine weiteren Gerichtsverfahren nach sich ziehen.

Manchmal  gelingt dies jedoch auch nicht. Dies kann der Fall sein, wenn der Konflikt auf einem hohen Niveau eskaliert, oder wenn mindestens ein Elternteil sich nicht in der Lage fühlt ein Vermittlungsgespräch zu führen. Dann ist es auch ihr gutes Recht auf die richterliche Anweisung zu warten.

Mein Bericht an das Familiengericht, nennt sich Stellungnahme. Diese Stellungnahme enthält meine Sozialpädagogische Einschätzung Ihres Konflikts und die sich daraus ergebende Empfehlung zur Entscheidung für das Familiengericht. Konnten Sie eine Einigung erzielen, besteht die Stellungnahme zu großen Teilen aus dieser Vereinbarung.

Mit dem in Kraft treten des richterlichen Beschlusses endet meine Tätigkeit als Verfahrensbeiständin in Ihrer Familie. 

Informationen für Kinder

Auch Eltern streiten sich. Wenn es dabei um dich geht, kann ein Familiengericht helfen, eine Lösung für diesen Streit zu finden. Manchmal schaffen es die Eltern jedoch auch alleine, oder mit Hilfe einer dritten Person, ihren Streit zu schlichten. Wenn es aber so schlimm ist, dass sie alleine nicht mehr zurecht kommen und das Familiengericht um Hilfe bitten, beauftragt der Richter oder die Richterin einen Verfahrensbeistand oder eine Verfahrensbeiständin. 

Genauso gut kann es sein, dass deine Eltern krank sind und/oder momentan nicht so gut für dich sorgen können, oder dass sie aus irgendeinem Grund gar nicht da sind. 

Dann ist es unsere Aufgabe, mit euch Kindern zu sprechen, zu spielen und euch zu fragen, was ihr so denkt über eure jetzige Situation. Meistens findet dieses Gespräch bei euch zu Hause oder in meinem Praxisraum in Schwäbisch Hall statt. Wenn du Lust darauf hast, kommt mein Hund Cosmo mit zu dem Besuch. Er ist jedoch schon alt und gelegentlich verschläft er auch seine Termine 🙂

Es ist wichtig für die Richterinnen und Richter, zu wissen wie es euch geht und  was ihr euch wünscht. Deshalb schreibe ich nach meinem Besuch und den Gesprächen mit euren  Eltern einen langen Brief an das Familiengericht. Manchmal möchten die Richterinnen und Richter euch auch persönlich sprechen. Die meisten Kinder sind da ein bisschen aufgeregt und wissen nicht so genau was auf sie zukommt. Du brauchst aber keine Angst zu haben, denn ich werde dich zu diesem Termin begleiten und dir auch vorher genau erklären, was auf dich zukommt. 

Ich hab ja schon geschrieben, dass ein Streit unter Eltern manchmal auch durch die Hilfe einer dritten Person geschlichtet werden kann. Auch das ist Aufgabe von uns Verfahrensbeiständinnen und Verfahrensbeiständen.  Das heißt nicht, dass hinterher alles wieder so ist wie vor dem Streit. Aber sehr häufig können die Eltern hinterher wieder gut miteinander sprechen und gute Entscheidungen für euch treffen. Gelingt dies, schreibe ich es auch in meinen langen Brief an das Familiengericht.

Nachdem die Richterin oder der Richter meinen langen Brief gelesen hat, werden  deine Eltern und ich zu einem Gespräch eingeladen.  Dort wird dann entschieden, wie es gut für euch weitergehen kann. 

Nach diesem Termin besuche ich dich noch einmal, oder wir telefonieren und ich erkläre dir was bei dem Gespräch herausgekommen ist. Damit ist meine Aufgabe in deiner Familie beendet. Ich freue mich jedoch immer wenn du dich einmal bei mir meldest und mir erzählst, wie es dir geht.

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